Libyenbericht

 

Libyen-Tour 2007

 

Am Freitag, dem 2.2.2007, starten wir gegen 14.00 Uhr bei regnerischem Wetter von zu Hause Richtung Süden. Unser Ziel ist Genua, von wo aus am kommenden Tag unsere Fähre nach Tunis ablegen soll. Bereits kurz vor Rastatt bemerken wir, dass unser Scheibenwischergummi  beginnt sich aufzulösen. Also suchen wir eine Mercedes Werkstatt um ihn zu erneuern. Gegen 21.30 Uhr erreichen wir Bellinzona, wo wir auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte übernachten. Es ist sehr kalt und etwas ungemütlich in unserem engen, kleinen Auto.

Nach einer kühlen Nacht erreichen wir am nächsten Mittag Genua. Am Hafen warten nur einige Autos auf die Fähre. Nachdem wir nach sehr langer Wartezeit endlich unseren Polizeistempel erhalten und unsere Mitfahrer, ein österreichisches Ehepaar, Bibi und Wolfgang, kennen lernen, fahren wir auf das Schiff und beziehen unsere Kabine. Am Abend benötigen wir fast zwei Stunden um die Einreiseformalitäten für Tunesien zu erledigen, da die Beamten, unbeeindruckt von den langen Schlangen vor ihren Schaltern, in aller Ruhe stempeln, Schwätzchen halten und längere Pausen einlegen. Nach dem langen Herumstehen haben wir gerade noch genug Energie für ein Bier an der Bar, danach verbringen wir eine ruhige Nacht auf See.

Bei sonnigem Wetter kommen wir am Sonntag, dem 4. Februar, in Tunis an. Die Zollformalitäten dauern lange, da die Zöllner eine Inventarliste von uns verlangen und das GPS registriert werden muss. Vor dem Zoll erwartet uns unser tunesischer Führer, Mouldi, mit dem wir nach Bou Arada fahren, wo wir auf dem  Bauernhof seines Freundes übernachten. Am nächsten Tag fahren wir über Kairouane bis Metameur. Dort verbringen wir die Nacht in einem Hof, der von einer Speicheranlage umbaut ist. In diesen „Bienenwaben“ befinden sich Betten, einfach aber sauber. Auf jeden Fall sehr stimmungsvoll und ruhig.

Für den kommenden Tag ist der Grenzübertritt nach Libyen geplant. An der Grenze werden wir von unserem libyschen Führer, Hassan, erwartet. Wir befestigen die libyschen Nummernschilder am Wagen und ohne größere Wartezeit fahren wir zu einer der schönsten römischen Ausgrabungsstätten, nach Sabrata. Nach einem Bummel durch die Ruinenfelder,  erreichen wir unseren Übernachtungsplatz auf dem Gelände einer nahe gelegenen Jugendherberge, die schon bessere Zeiten gesehen hat und etwas heruntergekommen ist. Von dort aus hat man allerdings einen fantastischen Blick auf Sabrata und kann am Abend die erleuchteten Ruinen genießen.

Am nächsten Morgen vergrößert sich unsere kleine Gruppe um eine Person. Victor, ein Journalist aus Malta, der Berichte über Libyen und eventuell einen Reiseführer über das Land schreiben will, fährt ab heute mit uns. Wir verlassen die Küste und fahren Richtung Nalut. Kurz vor dem Ort haben wir an einer der vielen Polizeiposten eine Reifenpanne. Da wir nicht sofort anhalten, weil wir zuerst noch an der Kontrolle vorbei fahren wollen, ist der Reifen nicht mehr zu reparieren. Obwohl in Libyen unzählige Vitos unterwegs sind, ist es nicht einfach einen Ersatzreifen für unser Auto zu bekommen. Hassan bestellt die richtige Größe telefonisch bei seinem Chef in Tripolis, der den Reifen per Taxi nach Ghadames, unserem nächsten Zielpunkt, transportieren lässt. Da wir einen Tag Aufenthalt in Ghadames haben, um die Altstadt zu besichtigen, bleibt genügend Zeit für den Kauf, den Transport und das Wechseln des Reifens. All dies klappt reibungslos und wir sind erleichtert, dass wir wieder ein Ersatzrad haben. Nach der Besichtigung der heute zwar verlassenen, aber sehr schönen Altstadt mit ihren teilweise überdachten Gassen, haben unsere Führer ein Cous-Cous Essen in einem typischen Haus der Altstadt bestellt. Es ist ein sehr schönes Erlebnis in dieser Atmosphäre bewirtet zu werden. Am Abend probieren wir weiße Trüffel, die überall am Straßenrand angeboten werden. Sie sind zwar ganz lecker, aber nicht so beeindruckend, dass wir sie ein zweites Mal kaufen würden.                                                  

Von Ghadames aus fahren wir weiter über Gariyat nach Shwayrif. Im Ort ist es uns zu laut und staubig zum Übernachten, also suchen wir uns einen Platz ca. 20 Kilometer hinter Shwayrif in einer steinigen Wüstenlandschaft.

 Auf den Felsen kann man überall Abdrücke von Fossilien erkennen. Wir erkunden die Umgebung und genießen am Abend einen herrlichen Sonnenuntergang. Die Nacht ist allerdings sehr stürmisch, so dass unsere Führer und Victor, die im Zelt übernachten, einige Schwierigkeiten haben nicht wegzufliegen.

Unser Ziel für den nächsten Tag ist eigentlich Sabha, aber auf der Suche nach dem Campingplatz dort beschließen wir bis Germa zu fahren. Ca. 19 Kilometer vor der Stadt bleiben wir in Tekerkiba auf einem sehr schönen Campingplatz vor hohen Sanddünen. Am kommenden Tag steht Kultur auf unserem Programm: Besichtigung der „alten Stadt der Geramanten“, deren Gräberfelder und einer ehemaligen Siedlung auf einem Berg. Da Victor, um genauere Informationen zu bekommen, von einem einheimischen Professor geführt wird, haben wir die Gelegenheit an dieser individuellen Führung teilzunehmen, die sehr interessant ist.

Nach der Kultur kommt die Natur. Am nächsten Morgen fahren wir mit zwei Geländewagen in die Wüste zu den Mandara-Seen. Nach einer beeindruckenden Fahrt durch die Dünen verbringen wir die Mittagszeit am Gabroon-See, wo wir von unserem Koch mit einem unerwartet guten Mittagessen verwöhnt werden. Die Fahrt geht weiter am wunderschönen Um el Ma-See vorbei zum Mandara-See, der mittlerweile ausgetrocknet ist. Diese Seen in den Dünen von Ubari zählen zu den touristischen Highlights in Libyen, wenn nicht gar in der Sahara insgesamt.

Unsere Reise führt uns dem nächsten Highlight entgegen. Wir fahren nach Al Awaynat auf einen nicht gerade als romantisch zu bezeichnenden Campingplatz. LKWs, Quads und Motorräder stauben uns ein und es stinkt nach Diesel. Gegen Abend kommen unsere Geländewagen, die mit uns bereits an den Mandara-Seen waren. Die einheimischen Fahrer und wir beginnen mit den Vorbereitungen für einen dreitägigen Ausflug mit Zelten ins Akakus-Gebirge. Wir packen unsere Schlafsäcke und Klamotten für die nächsten Tage und haben schon leichte Zweifel wie all unsere Sachen wohl in die Geländewagen passen werden. Am Abend findet ein gemeinsames Spaghettiessen an unserem Auto statt inklusive anschließender Party mit alkoholfreiem Bier.

Unsere Abfahrt ist für 9.00 Uhr geplant. Victor ist sehr ungehalten, weil er seinen Kaffee, den er morgens immer dringend benötigt, nicht bekommt. Außerdem ist er sauer, weil die Geländewagen dermaßen voll gepackt sind, dass wir wie Sardinen in der Dose im Auto sitzen müssen und kaum wissen wohin mit unseren Beinen, gar nicht zu reden von unseren Rucksäcken. Als Victor dann zu allem Überfluss im Auto noch eine Palette rohe Eier zwischen den Füßen hat, müssen wir alle lachen und nehmen die ganze Sache schlussendlich doch mit Humor. Wir besichtigen Felsmalereien und Felsgravuren und durchqueren landschaftlich wunderschöne Täler mit flachem Talgrund und an den Rändern oft steilen, teils überhängenden Felsen. Gegen 17.00 Uhr halten wir an einem sehr schönen Platz, unterhalb von Felsen und umgeben von hohen Sanddünen. Wir bauen unsere Zelte auf und räumen sie ein. Unser Koch serviert Kaffee, Tee und Kekse, so dass uns die Zeit bis zum Abendessen nicht zu lang wird. Am Abend bereitet er wieder in ganz kurzer Zeit ein erstaunlich leckeres Essen zu. Die Nacht ist angenehm warm, wir lassen den Zelteingang offen und genießen die Stille der Wüste.

Nach dem Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Die Autos kommen später nach und sammeln uns ein. Auch heute können wir wieder die wunderschöne Landschaft mit teilweise bizarren Felsformationen bewundern. Es ist angenehm warm und am Abend gibt es zu unserer Freude Cous-Cous. Danach findet die übliche Teezeremonie statt und wir sitzen gemeinsam am Lagerfeuer. Am nächsten Tag geht es auf den Rückweg nach Al Awaynat, das wir am Nachmittag erreichen. Nun gibt es einiges zu tun: Wir müssen uns entsanden, waschen, putzen und unsere Sachen wieder einräumen. Die Tagestemperaturen liegen nun etwa bei 28 Grad, nachts sind ca. 15 Grad im Auto.

Der entfernteste Punkt ist nun erreicht und der Rückweg beginnt. Wir fahren bis Sabha, diesmal finden wir den Campingplatz, der übrigens sehr schön ist, und wo wir zum ersten Mal einige Touristengruppen treffen, die allerdings mit dem Flugzeug gekommen sind.

 Weiter geht es auf teilweise sehr schlechter Asphaltstraße nach Hun. Durch den gebrochenen Asphalt und die vielen Löcher in der Fahrbahn ist das Fahren sehr nervig und wir sind froh, als wir gegen 16.00 Uhr unser Ziel, eine Jugendherberge, erreichen. Am Abend sind alle bei Bibi und Wolfgang zum Essen eingeladen. Wir schaffen es gerade noch draußen zu essen, danach wird es sehr windig, so dass wir den Rest des Abends im Wohnmobil der Österreicher verbringen.

Die geplante Strecke für den nächsten Tag beträgt 500 Kilometer, aber da der Straßenzustand sich zum Vortag verbessert hat, kommen wir schneller voran als gedacht. Kilometerweit säumen Palmen-, Oliven- und Eukalyptusplantagen unsere Strecke, die aufwendig bewässert werden. Der „Campingplatz“ in Leptis Magna ist ein kleines Eckgrundstück, welches an zwei stark befahrenen Straßen liegt. Das Grundstück ist vollgeparkt mit PKWs libyscher Lehrer, die in dem zugehörigen Gebäude an einem Englischkurs teilnehmen. Wie überall, wo wir bis jetzt mit Einheimischen in Kontakt gekommen sind, sind die Menschen hier freundlich und entgegenkommend ohne auch nur auf irgendeine Art und Weise lästig oder aufdringlich zu wirken.

Es ist der 20. Februar und gegen 9.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur römischen Ausgrabungsstätte Leptis Magna, eine der imposantesten Ausgrabungsstätten der gesamten antiken Welt. Die Ruinen sind sehr interessant und teilweise außerordentlich gut erhalten. Nach kurzer Mittagsrast brechen wir auf nach Tripolis. Die Fahrt dorthin ist eine Katastrophe. Hassan scheint sich nicht auszukennen und führt uns durch Stadtteile, in denen keine Straßen sondern nur noch unasphaltierte Wege mit riesigen Löchern existieren. Der Verkehr ist chaotisch und jeder Kreisel ist ein „Abenteuer“. Etwas gestresst erreichen wir einen Parkplatz nahe dem Grünen Platz, gegenüber des  „Luxushotels“ Al Kabir (beim Besuch der Toiletten dort kommt allerdings die Frage auf, ob der Begriff „Luxushotel“ wirklich angebracht ist).

Die folgenden zwei Tage verbringen wir mit Stadtbesichtigung, wobei wir immer wieder feststellen wie freundlich uns die Bevölkerung begegnet. Es ist angenehm in aller Ruhe und unbehelligt die Stadt zu erkunden. Man spricht uns höchstens an, um uns als Touristen willkommen zu heißen oder die Gelegenheit zu nutzen die, oft in der DDR erworbenen Deutschkenntnisse, zu testen.

Am 22. Februar verlassen wir Libyen. Da wir noch gut eine Woche Zeit haben bis unsere Fähre ab Tunis geht, nutzen wir die Tage und lassen uns von Mouldi seine Heimat zeigen. Wir fahren über Tataouine nach Douiret. Douiret, ein Höhlendorf, liegt ähnlich pittoresk wie Chenini über mehrere Berghänge verteilt, hat aber längst nicht so viele Besucher wie Chenini. Wir können zum Übernachten vor einigen Höhlen, die als Zimmer vermietet werden, parken. Mouldi lädt uns in eine Höhle zum Cous-Cous Essen ein. Gegen Abend wird es sehr windig und wir sind froh, in der geschützten Höhle angenehm warm zu sitzen.

Unser Weg führt uns Richtung Norden über Chenini, Matmata, Douz, Gafsa, El Kef nach Bou Arada, wo Mouldi zu Hause ist. In seinem Elternhaus in den Bergen werden wir von seiner Familie bereits erwartet. Es gibt ein vorzügliches Essen, danach Lagerfeuer, Musik und Tanz. Wir verbringen einen weiteren Tag in dieser herrlichen Landschaft, die wir zu Fuß erkunden und genießen Mouldis Gastfreundschaft und die seiner Familie.

Nach diesen beiden erholsamen Tagen fahren wir an die Nordküste nach Tabarka. Leider spielt das Wetter nicht mit. Es ist kühl, stürmisch und regnerisch. Wir beschließen die letzten drei Tage in der Nähe von Tunis zu verbringen. Mouldi schlägt vor zu einem Parkplatz bei einem Sportzentrum in La Marsa zu fahren, da man von dort aus bequem mit dem Taxi oder dem Zug nach Tunis fahren könne. Dort blieben wir drei Tage und besichtigen Tunis. Auch hier stellen wir fest, dass die Einheimischen nett und hilfsbereit sind und wir sehr freundlich behandelt werden.

 Am Freitag, dem 2. März, verlassen wir gegen 14.00 Uhr den Hafen von Tunis. Die Überfahrt ist diesmal etwas stürmischer als auf der Hinreise und einige Passagiere haben mit Seekrankheit zu kämpfen.

Am nächsten Tag erreichen wir nachmittags Genua und fahren noch am gleichen Tag bis nach Hause, das wir gegen Mitternacht, nach ca. 7200 Kilometern erreichen.

Angesichts der heutigen Dieselpreise ist es vielleicht interessant zu wissen, dass wir in Libyen ca. 4300 Kilometer gefahren sind und umgerechnet für etwa 28 Euro getankt haben.